Über den Künstler
Joscha Meisenzahl (*1990 in Berlin, lebt in München) arbeitet multimedial im Spannungsfeld von Plastik und Klanginstallation. Zentrales Motiv seiner künstlerischen Praxis ist das Wechselspiel aus Dialog, Wachstum und Interaktion – sowohl materiell als auch konzeptuell.
Im Herstellungsprozess verbindet Meisenzahl digitale Technologien wie den 3D-Druck mit organischem Material. Die Maschine wird dabei nicht nur als Werkzeug verstanden, sondern als aktiver Akteur innerhalb eines offenen, künstlerischen Prozesses. An der Schnittstelle von Mensch und Maschine entstehen hybride Formen, die einerseits dem digitalen Code folgen, zugleich aber durch Zufall, Materialverhalten und sinnlich erfahrbare Prozesse geprägt sind. Diese Spannung zwischen kontrollierter Struktur und organischer Irritation wird zum ästhetischen Prinzip – ein Dialog zwischen algorithmischer Präzision und körperlich-emotionaler Erfahrung.
Die Plastiken bestehen primär aus PLA, einem biologisch abbaubaren Kunststoff auf Maisstärkebasis, sowie aus EVA-Kunststoff und organischen Materialien wie Kürbiskernen. Die Kombination vergänglicher und persistenter Stoffe eröffnet Fragestellungen zu Dauer, Wandel und ökologischer Verantwortung: Was bleibt – und in welcher Form?
Ein wesentlicher Aspekt seiner Arbeit ist die Aktivierung des Publikums. In der Klangplastik Transcripted Echo beispielsweise entsteht eine unmittelbare akustische Wechselwirkung zwischen Objekt und Betrachter: das Werk reagiert in Echtzeit auf Umgebungsgeräusche und öffnet so einen Raum für Interaktion, der über ein lineares Sender-Empfänger-Modell hinausgeht.
Thematisch verhandelt Meisenzahl die Grenzbereiche zwischen Natur und Technik sowie zwischen belebter und unbelebter Materie. Seine Arbeiten sind als spekulative Räume zu verstehen, in denen sich neue Formen von Lebendigkeit auf scheinbar Leblosem entfalten können.