Allongé

Ellbogen breit, die Hände drehen sich ein, das Schultergelenk rotiert – der Körper öffnet sich, der Handrücken dreht nach oben: ein Allongé.
Im Ballett bedeutet Allongé „verlängert“ oder „gestreckt“ – eine Bewegung, die nie zufällig geschieht. Sie ist Vorbereitung und Übergang zugleich, ein Moment, der Spannung aufbaut, bevor es weitergeht.
Auch im Theater findet der Begriff seine Entsprechung. Das Allongé ist ein künstlerisches Mittel, das über die reine Bewegung hinausgeht. Es verleiht den Szenen Tiefe, lässt Charaktere wachsen und eröffnet dem Publikum den Zugang, in die Welt des Gesehenen einzutauchen. Es sind Momente der Intensität und des Übergangs, wie ein Ausstrecken, das in den Raum greift.
Die Kunststudierenden der Klasse Tröger nehmen das Allongé als Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit dem alten Ring-Theater Amberg, einem Ort, der selbst von Übergängen erzählt. Von vergangenen Filmvorführungen, von einem Popcornstand, der noch heute den süßen Duft von früher ahnen lässt und runden Fenstern, die beinahe sakral wirken.
Malerei, Skulptur, Fotografie und Installation verweben sich mit den alten Gemäuern und lassen Vergangenheit und Gegenwart in Resonanz treten.
Wie kann die Geste des Streckens in den künstlerischen Kontext übersetzt werden? Was bedeutet es, Szenen emotional zu vertiefen? Und wie entsteht eine Verbindung zwischen Betrachter und Geschehen?
Fragen des Theaters werden in das Feld der Kunst übertragen und neu verhandelt. Dabei geht es nicht um eine Klärung des Begriffs, sondern darum, ihn künstlerisch zu deuten.
Allongé lädt ein, mit der Bewegung mitzugehen und sich auf eine künstlerische Intervention einzulassen, die die Atmosphäre der Räume aufgreift und erfahrbar macht. 


Poronkusema

Künstlerische Interventionen und Soundarbeiten am Klimawaldpfad im Tiergarten Nürnberg, 2025.


"Was Tiere und Pflanzen sind, darüber gibt es seit jeher Konzepte und Erzählungen. Die Annäherung und Auseinandersetzung mit dem Gegenüber - einer anderen Spezies - wird zum Ausgangspunkt für multimediale Arbeiten auf dem Klimawaldpfad. Der Ort wird durch eine rekonstruierte Soundscape akustisch erfahrbar, während eine Apple Watch über die Wandernden wacht. Ein Vogel entspringt dem ornamentalen Korsett und wird zum Windspiel, während wir zuhören, was sonst beiläufig vorbei rauchst. Domestizierte Pflanzen scheinen sich in den vermeintlich wilden Waldpfad verirrt zu haben, während ein Teddy in uns Erinnerungen weckt. Zuletzt stellen drei Gefangene im Interview die Frage: Was bedeuten hier Freiheit und Komfort?" (Ausstellungstext)

"One day...", 2025, Bleiglasfenster, ø 30 cm von Franziska Adams

(©Foto: Joscha Meisenzahl)